Foto: Heiko Lukas

Saarbrücken, 17.09.2015

Nach der Podiumsdiskussion über einen städtebaulichen Ideenwettbewerb für den Bereich rund um das ehemalige Kultusministerium bekräftigt die Architektenkammer des Saarlandes ihre Forderung nach einem städtebaulichen Wettbewerb. Zudem sieht sie die Stadt in der Pflicht, rasch einen Bebauungsplan für das Pingusson-Areal aufzustellen, um eine geordnete Bauleitplanung zu gewährleisten.

Das denkmalgeschützte Pingusson-Gebäude ist erhaltenswert. Darin waren sich bei der Podiumsdiskussion, zu der die Architektenkammer des Saarlandes (AKS) am 14.09.2015 eingeladen hatte, die Vertreter aller Saarbrücker Stadtratsfraktionen einig. Das aktuelle Substanzgutachten, das das Land als Eigentümer in Auftrag gegeben hat, bestätigt die Sanierungsfähigkeit. So die Botschaft von Daniel Kempf, Sprecher des Finanzministeriums.

Kein verbindlicher Konsens wurde jedoch bezüglich des weiteren Planungsverfahrens gefunden. Die Ausrichtung eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs, wie ihn die AKS fordert, bezeichnete die Saarbrücker Baudezernentin Dr. Rena Wandel-Hoefer als erst dann sinnvoll, wenn die Rahmenbedingungen geklärt seien und das Land konkrete Aussagen darüber gemacht habe, ob es Teilflächen des Pingusson-Areals über die der im Besitz der Handwerkskammer befindlichen Flächen hinaus für eine Bebauung zur Verfügung stellen würde.

Daniel Kempf sagte in der Diskussionsrunde zu, das Land sei willens, bestimmte Flächen in Abstimmung mit Denkmalschutz und Stadt zu veräußern. Andere, noch offene Fragen, müsse die Stadt im Rahmen der Vorbereitungen für einen städtebaulichen Ideenwettbewerb zügig klären, fordert die AKS. „Dies ist die übliche Praxis“, erklärt AKS-Präsident Prof. Heiko Lukas. 

In Anbetracht der bereits sehr konkreten Baupläne der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) – Investitionsvolumen 40 Millionen Euro – sei der Stadtrat nun in der Pflicht, rasch einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan für das Pingusson-Areal zu fassen, um für die Investition eine frühestmögliche Planungssicherheit zu erhalten. Durch den Aufstellungsbeschluss für einen quartiersbezogenen Bebauungsplan erhalte die HWK ein klares Signal für ihre Fördergeber, dass die Stadt ein hohes Interesse hat, die HWK am Standort zu etablieren. Zugleich sei gewährleistet, dass auch die Nutzungsinteressen der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), des Landes und nicht zuletzt der BürgerInnen berücksichtigt würden.

„Beim Pingusson-Areal geht es schließlich nicht nur um die Nutzungsvorhaben einzelner Institutionen wie HWK und HTW, sondern auch um die Interessen der AnwohnerInnen, die in diesem Quartier leben“, betont Thomas Hepp, Vertreter der Stadtplaner im Vorstand der AKS. Daher sei die Auslobung eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs unbedingt erforderlich. „Denn nur ein solcher Wettbewerb gewährleistet, dass alle Akteure und auch die BürgerInnen eingebunden sind.“

Kommunikation mit den BürgerInnen ist unverzichtbar

Auch AKS-Präsident Prof. Heiko Lukas hält die Bürgerbeteiligung für unverzichtbar: „Architektur und Städtebau werden immer stärker durch öffentliche Diskussions- und Beteiligungsprozesse begleitet. Das öffentliche Interesse an der städtebaulichen Entwicklung ist gerade in Alt-Saarbrücken stark ausgeprägt.“

Stadtplanung und Architektur könnten nur dann erfolgreich vorangebracht werden, wenn die Betroffenen am Kommunikationsprozess beteiligt würden, so Lukas. „Dazu bedarf es des Mehrwertes eines städtebaulichen Ideenwettbewerbes, dessen Ergebnisse die Basis für die dringend notwendige Diskussion bilden. Nur so kann das Potential für eine gelungene Stadtteilentwicklung genutzt werden, nur so entwickelt sich eine Identifikation der BürgerInnen mit dem Quartier und eine Akzeptanz für dessen Weiterentwicklung.“ Positivbeispiele aus anderen Städten hätten gezeigt, dass städtebauliche Wettbewerbe hierfür der richtige Weg seien.

Architektenkammer lädt zu „Rundem Tisch Pingusson-Areal“ ein 

Nachdem die Architektenkammer mit der Einladung zu der Podiumsdiskussion den ersten Schritt gemacht hat, möchte sie den Dialog mit allen Beteiligten – insbesondere Stadtplanungsamt, Stadtrat, Land, HWK und HTW – nun zeitnah fortsetzen. Dazu wird sie alle Verantwortlichen in Kürze zu einem ersten „Runden Tisch Pingusson-Areal“ ins Haus der Architekten einladen.

Kontakt:      

Prof. Heiko Lukas
Präsident der Architektenkammer des Saarlandes
M. 01 77 – 299 60 59
lukas@aksaarland.de