Bernd Wegner, Foto: Peter Kerkrath
Bernd Wegner, Foto: Peter Kerkrath

Mit HWK-Präsident Bernd Wegner sprachen wir über gemeinsame Themen von Handwerkern und Architekten und über deren Förderung durch die Handwerkskammer. 

Handwerker und Architekten haben tagtäglich auf den Baustellen miteinander zu tun. Die Strukturen der Betriebe ähneln sich: Es handelt sich überwiegend um Kleinst- und Kleinbetriebe. Sehen Sie hier Optimierungsmöglichkeiten in der saarländischen Mittelstandsförderung, insbesondere in Hinblick auf öffentliche Ausschreibungen?

Wegner: Um die Situation kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) im Saarland zu fördern, sollten die Schwellenwerte für die freihändige und beschränkte Vergabe angehoben werden. Dies würde bei vielen Kleinaufträgen zu einer unbürokratischeren Auftragsvergabe führen. Die bei öffentlichen Ausschreibungen notwendigen Vergabeunterlagen und andere Voraussetzungen zur Teilnahme müssten grundsätzlich verschlankt werden. Eine konkrete Optimierungsmöglichkeit in der saarländischen Mittelstandsförderung sehen wir in der im Mittelstandsförderungsgesetz (MfG) etablierten VOB-Nachprüfungsstelle. Die jüngste MfG-Novelle hat diese Nachprüfungsstelle vorgesehen. Bei öffentlichen Ausschreibungen besteht aus unserer Sicht eine "Rechtsbehelfslücke" für unterschwellige und kleine Vergabeverfahren. Die Nachprüfungsstelle kann diese Lücke schließen. Jetzt geht es um deren zügige Umsetzung.
Übrigens: Gemeinsam mit der IHK und der Stadt Saarbrücken führen wir regelmäßig sogenannte Vergabekonferenzen durch. Die Stadt stellt dabei aktuelle Vergabeprojekte vor, um eine frühzeitige Einbindung aller beteiligten Akteure zu gewährleisten. Das hilft sowohl den Planern als auch den Ausführenden.

Insbesondere für den Mittelstand ist die Digitalisierung der Arbeitswelt eine große Herausforderung. Ich denke da z. B. an die Arbeit mit CNC-Maschinen in Zimmerei- und Schreinereibetrieben, um auch gestiegenen Ansprüchen seitens der Architekten gerecht zu werden. Wie machen Sie die Betriebe zukunftsfähig?

Wegner: Das Handwerk führt Auszubildende in seinen überbetrieblichen Berufsbildungszentren an die Digitalisierung heran. So gibt es in der Ausbildungswerkstatt des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff einen eigenen Kurs CNC-Technik für Tischler, der für jeden saarländischen Auszubildenden im Tischlerhandwerk verpflichtend eingeführt wurde. Wir erreichen damit jeden Ausbildungsbetrieb und können ihm wichtige technologische Impulse über seine Auszubildenden geben. Gleiches gilt für andere Handwerksberufe. 
Schon jetzt machen wir in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern wie dem "Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Kaiserslautern" und dem "Kompetenzzentrum Digitales Handwerk" des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH) – weitere Kooperationen sind in Planung - neue digitale Techniken für unsere Handwerksbetriebe nutzbar. Neue technologische Produkte bieten nicht zuletzt Chancen für neue Geschäftsmodelle. Was kann unsere Handwerkskammer (HWK) tun? Sie kann informieren, beraten und vernetzen. Dies tun wir, so zum Beispiel im Rahmen von Veranstaltungen, mit den Besuchen unserer Unternehmensberater und dem Angebot unserer Beauftragten für Innovation und Technologie (BIT). Unsere Experten gehen vor Ort in die Unternehmen und erarbeiten gemeinsam mit den Betriebsinhabern Lösungen zur Digitalisierung ihrer spezifischen Prozesse. In diesem Zusammenhang ist mir wichtig zu betonen, dass unsere Handwerkskammer als Institution auch ihre eigenen Prozesse auf mögliche Effizienzgewinne durch Digitalisierung prüft. Wir wollen nicht die letzte Papierfabrik des Saarlandes sein.

Eine große Schnittmenge gibt es im Bereich der Denkmalpflege. Die Handwerkskammer besitzt eine eigene Beratungsstelle zum Thema und lobt als Mitveranstalter den saarländischen Denkmalpflegepreis aus. Inwieweit sind hier Architekten eingebunden oder ließen sich Synergien herstellen?

Wegner: Die Beratungsstelle für Denkmalpflege besteht seit 1986 in unserer HWK. Sie hat sich in den vergangenen 30 Jahren als wichtige Institution der saarländischen Denkmalpflege etabliert. Mit der Denkmalpflege-Betriebsdatenbank und dem Arbeitskreis Historisches Fenster haben wir Instrumente geschaffen, um Denkmalobjekte zu erhalten. Sie unterstützen insbesondere die Architekten im Land bei Ihrer Arbeit am Denkmal. Die Beratungsstelle sieht sich als Bindeglied zwischen den einzelnen Akteuren in der Denkmalpflege. Durch Tagungen, Weiterbildungsangebote oder Exkursionen stärken wir das Netzwerk zwischen öffentlichen Institutionen wie zum Beispiel Landesdenkmalamt, Handwerkern und Architekten. Beim saarländischen Denkmalpflegepreis werden über die Architektenkammer des Saarlandes fachlich versierte Architekten in die Juryarbeit eingebunden. 
Bei Weiterbildungsangeboten ist es aber leider oft noch so, dass die Akteure, sprich Architekten und Handwerksbetriebe, eher getrennte Angebote wahrnehmen. Hier ließen sich Synergien erschließen, wenn Weiterbildungsangebote der Denkmalpflege so angeboten würden, dass Handwerksbetriebe und Architekten gemeinsamen Nutzen daraus ziehen.

Auch dem barrierefreien Bauen nimmt sich die Handwerkskammer intensiv an. Hier ist der Dialog zwischen Planern und Handwerkern enorm wichtig und reicht mit AAL - Ambient Assisted Living - weit in das Thema Digitalisierung. Wie fördern Sie beides?

Wegner: Im Zuge der Neuaufstellung unserer Bildungsstätten planen wir ein eigenes Kompetenzzentrum zum AAL-Thema. Der Bedarf an barrierefreien bzw. barrierearmen Wohnungen, gerade im Bestand, steigt in den nächsten Jahren stark an. Um Menschen die Möglichkeit zu geben, lange selbstbestimmt in der eigenen Wohnung zu bleiben, genügen manchmal schon kleine Umbau- und Renovierungsarbeiten. Hier ist der kompetente und flexible Handwerksbetrieb gefragt, da vor allem bei diesen Umbauprojekten leider oft kein Architekt hinzugezogen wird. Aus dieser Notwendigkeit heraus hat die Beratungsstelle für barrierefreies Bauen unserer HWK einen Workshop entwickelt, der Grundlagen des barrierefreien Bauens vermittelt. Mit diesem Workshop kann zudem das bundesweite Markenzeichen "Generationenfreundlicher Betrieb – Service und Komfort" erworben werden. Eine entsprechende Datenbank listet alle Teilnehmer auf. Unsere Handwerkskammer stellt diese Liste Interessenten auf Anfrage gerne zur Verfügung. Wir werden sie in Kürze auch online stellen. 
Unsere Weiterbildung und die Datenbank sind nicht nur für Handwerksbetriebe konzipiert. Auch Architekten, die sich mit dem Thema des barrierefreien Bauens beschäftigen, sind ausdrücklich dazu eingeladen, am Workshop – der nächste findet im November statt- teilzunehmen. Auch sie können das Markenzeichen erhalten und werden in der Datenbank gelistet. Nicht zuletzt lernen sich Architekten und Handwerksbetriebe bei den Workshops oder den anschließenden Netzwerktreffen kennen und können sich austauschen.
 

Interview: Kim Ahrend 

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