Anette Schött; Foto: Iris Maurer

Ein Plädoyer für blühende Paradiese contra Schotterwüsten

Daniel Kempf, Vorstandsmitglied der Stiftung Baukultur Saar, moderierte den Vortragsabend im gut gefüllten Kulturhaus in Gersheim. Die Stiftung warf gemeinsam mit den Kooperationspartnern Biosphärenzweckverband Bliesgau und Saarpfalz-Kreis einen kritischen Blick auf die zurzeit sehr populären Schottergärten. Landrat Theophil Gallo erinnerte in seinem Grußwort daran, dass jeder einzelne die Verantwortung für die Gestaltung unserer Umwelt habe. Wir alle sollten diese Botschaft weitertragen.

Fachlichen Input gab die Landschaftsarchitektin Anette Schött aus dem hessischen Büdingen. Zunächst klärte sie die Definitionen von Garten, Kiesgarten und Steingarten. Denn nicht alle Gärten, die mit Schotter angelegt sind, seien „Gärten des Grauens“, wie es eine bekannte Facebook-Seite ausdrückt. Die Referentin stellte bewusst die Negativbeispiele an den Beginn ihres Vortrags, damit „Sie mit dem Gefühl nach Hause gehen, etwas Schönes gesehen zu haben“. Auch bei Schottergärten gäbe es den Willen, etwas Schönes zu machen. „Aber es geht schöner“, ergänzte Schött.

Es herrscht die Meinung, dass insbesondere ältere Bürger Schottergärten anlegen, da dieser vermeintlich pflegeleichter ist. Das weiß Anette Schött zu entkräften. Gerade in Neubaugebieten, wo hauptsächlich junge Menschen lebten, sieht man häufig Schotterflächen mit einzelnen Pflanztrögen vorm Haus. „Wenn einer anfängt, wird es nachgemacht“, ist sie sich sicher. Und pflegeleicht sind diese Gärten auch nicht. Gerade bei Variationen von unterschiedlichen Kieselfarben, müssen die Steine zum Teil aufwendig und oft gereinigt werden. Und wenn zwischen den Steinchen das Unkraut sprießt, stört dies den homogenen Gesamteindruck. Da heißt es, fleißig rupfen, sofern man nicht auf (verbotene) Pestizide zurückgreifen möchte.

Die Auswirkungen von Schotterflächen sind zahlreich und immens: Zum Beispiel verändern sie das Mikroklima und es geht der Lebensraum für Insekten verloren. Laut Schött hat das saarländische Umweltministerium bereits etliche Anfragen von Kommunen, Schottergärten zu verbieten. Gemacht hat es bisher aber keine Gemeinde.

Die Landschaftsarchitektin hält ein Plädoyerfür blühende Vorgärten mit Staudenbepflanzung.Zur Veranschaulichung hat sie auch einige Pflänzchen mitgebracht. Anhand ihrer Projektbeispiele, die sie für öffentliche Auftraggeber ausgeführt hat, und eines Gemeinschaftsgarten in Büdingen, den sie betreut, zeigte sie die Vielfalt dieser Pflanzen. Stauden sind ausdauernde, krautige Pflanzen, die am richtigen Standort wenig Pflege bräuchten – aber regelmäßige. Die Intervalle lassen sich in einem Pflegekalender koordinieren. Für einen schönen Gesamteindruck der Blühfläche solle man sich zunächst ein Blüh- und Pflanzkonzept überlegen. Darin wird dargestellt, welche Staudensorte, wann blüht, und es werden „Gerüstbildner“, „Begleitstauden“ und „Füllstauden“ festgelegt. Denn das Pflanzen sei „wie eine Backmischung“.

Ihrer Meinung nach gibt es wenige Unterschiede zwischen heimischen und fremden Stauden in Bezug auf die Akzeptanz von Insekten. Fremde seien zudem oftmals widerstandsfähiger gegen den Klimawandel.

Ihr Vortrag gab viele Anregungen und Lust zum „Loslegen“ im heimischen Vorgarten. Nun gilt es, wie Gallo bereits sagte, die Botschaft weiterzutragen. Denn Anette Schött merkte
bei der anschließenden Fragerunde an: „Die hier sitzen, haben alle einen Garten“.

Autor: Kim Ahrend