Johannes Peter, Foto: Motsch / AKS
Johannes Peter, Foto: Motsch / AKS

Anlässlich der Ausstellungseröffnung vermittelte Johannes Peter, Politologe, Publizist und Fotograf, einen intensiven Einblick in die Bauhaus-Architektur in Tel Aviv. Grundlage waren mehrere Reisen zwischen 2008 und 2011, anhand derer er eine Zustandsanalyse der Bauwerke erarbeitete, die von rund 20 emigrierten Bauhaus-Schülern zwischen 1930 und 1947 in Tel Aviv realisiert wurden. Zeitnah zum Wirken des Bauhauses (1919 bis 1933) entstand so fast das gesamte Stadtzentrum Tel Avivs (ca. 4.000 Gebäude). 

Die jüdischen Meisterschüler am Bauhaus fanden nach ihrer Vertreibung aus Nazi-Deutschland und Europa in Tel Aviv ein einzigartiges Betätigungsfeld – genau zu dem Zeitpunkt, als die Stadt an Größe gewann. Ihr Einfluss prägte die Stadtentwicklung ganz entscheidend. Mit Arieh Sharon kam auch der erste Stadtbaudirektor aus Berlin (1948), wo das Bauhaus unter dem Druck der Nazis bereits 1933 hatte schließen müssen. Die signifikanten Merkmale der Moderne mit Stilelementen der bedeutendsten Baumeister der Zeit brachten zahlreiche Neuerungen (Freie Fassaden ohne Ornamentik, Flachdächer als Terrassenräume, Pilotis, Brise Soleils, abgehängte Balkonbrüstungen als Schattenspender, Stripfenster und –balkone, Rundbauelemente, Stahlbetonskelettbauten, asymmetrische Bauweise). 

Das bauhistorisch bedeutende Thema, die Moderne in Architektur und Stadtplanung, erhielt 2003 durch die Verleihung des Titels „Weltkulturerbe“ und 2009 aufgrund des 100-jährigen Gründungsjubiläums von Tel Aviv eine erhöhte Aufmerksamkeit. Nichtsdestotrotz sieht Peter große Probleme. Denn: 90 % der Gebäude befinden sich in Privatbesitz, und der Sanierungsplan setzt ausschließlich auf private Initiativen. Die enormen Immobilienkosten führen zu Wohnraumnot und Verdrängungsprozessen. Soziale Probleme führten 2011 zur Besetzung des Rothschild Boulevards, und Forderungen nach sozialen Wohnbauten und einem verbesserten Mietrecht wurden laut.   

Sein Fazit: „Es gibt noch viel zu tun. Bei den Reisen (...) habe ich sowohl Fortschritte als auch Stagnation erlebt. Hoffnung ist in Anbetracht der wachsenden internationalen Aufmerksamkeit berechtigt. Tel Aviv beherbergt zweifelsohne eine einmalige Ansammlung an herausragender Architektur der Moderne, mit einem signifikanten Beitrag des Bauhauses mittendrin…“ 

Cornelia Noll / AKS