Die Stiftung Baukultur-Saar wurde im Jahre 2009 als Stiftung der Architektenkammer des Saarlandes gegründet. Erster Zustifter ist das Saarland. Stiftungszweck ist, die Baukultur im Land umfassend zu fördern. Im vorigen und in diesem Jahr wurden Vorstand und Beirat personell verstärkt und das Themenspektrum der nächsten Jahre konkretisiert. Die Wahrnehmung für bauliche Qualitäten zu schärfen und die baukulturelle Identität des Saarlandes zu wahren, zu fördern und qualitativ weiterzuentwickeln, wird Schwerpunkt unserer zukünftigen Arbeit sein.
 
Wir wollen anregen, im alltäglichen baulichen Umfeld, in den Orts- und Stadtteilen, in den Gemeindemittelpunkten, bei großen wie kleinen öffentlichen Gebäuden genauer hinzusehen, Schönes und Gelungenes zu entdecken und zu fördern, aber auch bauliche „Sünden“ und Fehlentwicklungen zu erkennen und über Verbesserungen nachzudenken. Orte und Stadtteile unseres Landes sind in ihrer Struktur gewachsen, bilden die Geschichte und ihre Stärken, aber auch in der sozialen und ökonomischen Historie begründete Fehlentwicklungen unserer Region ab. 
 
Das bedeutet jedoch nicht, dass nichts geändert werden darf: Vieles im Bestand kann umgebaut, reduziert, neu genutzt und verbessert werden. Viel zu häufig hat man sich an die Ästhetik des Bestehenden gewöhnt, so dass Um-und Neubauten sehr oft nicht im Sinne einer qualitätvollen Veränderung des Ortsbildes genutzt werden. Das zeigt sich in einer überbordenden Material- und Farbwahl, die sich augenscheinlich am aktuellen Angebot der Baumärkte und den jeweils in Mode befindlichen Farben orientiert; das zeigt sich auch in ortsunverträglichen Nutzungsänderungen etwa durch Spielhallen oder Billigläden. 
 
Angesichts des historischen Paradigmenwechsels durch den demografischen Wandel, der finanziellen Lage des Landes und der Energiewende steht insbesondere der ländliche Raum im Saarland vor massiven räumlichen und planungsstrategischen Herausforderungen. Diese müssen hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung des Landes diskutiert und Lösungen entwickelt werden. Die Herausforderung der Zukunft wird weniger im Neubau liegen als vielmehr im Um- und Weiterbau. Daher zählen neben dem Erhalt historischer Strukturen vor allem auch die behutsame Ergänzung mit gestalterisch anspruchsvollen zeitgemäßen Gebäuden, An- und Umbauten sowie die mitunter notwendigen sensiblen Eingriffe in den Ortszentren zu den Zukunftsaufgaben. Tradition und Moderne sind zwei Seiten der gleichen Medaille. 
 
Längst ist es Allgemeingut, dass weiche Standortfaktoren wie eine Aufenthalts- und damit auch eine Wahrnehmungsqualität wichtige Gesichtspunkte im Ranking der Regionen darstellen und bei der Ansiedlung neuer Unternehmen und der Gewinnung neuer Mitarbeiter keine geringe Rolle spielen. Beispiele aus anderen Regionen wie Eifelkreis, Vorarlberg und Südtirol belegen, dass die Ausbildung einer regionalen baukulturellen Identität eine Steigerung der Lebensqualität und einen Mehrwert im Wettbewerb der Regionen generiert.
 
Als Stiftung Baukultur-Saar wollen wir Wege aufzeigen, wie eine regionale Identität des Saarlandes als eigene „Marke“ herausgearbeitet werden kann, um somit auch zum Erhalt der Eigenständigkeit des Saarlandes beizutragen.
 
Um dies anzuregen und weitere Impulse zu geben, führt die Stiftung Baukultur-Saar in diesem Jahr ihre Veranstaltungen fort. In einer dreiteiligen Vortragsreihe werden Projekte und Positionen vorgestellt, die zur Nachahmung und zu intensiven Diskussionen in den Gemeinden und Fachkreisen beitragen wollen.
Architektur und Baukultur sind öffentliche Angelegenheiten und sollten nicht nur einem engeren Fachpublikum ein Anliegen sein. Bewusst wenden wir uns neben den Planern nicht allein an alle Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen, Bauträger und Wohnungsbaugesellschaften, sondern auch an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger.

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