V.l.n.r.: Alexander Maier, Eberhard Beck, Herbert Klein (Foto: Cornelia Noll)

Ist BIM (Buildung Information Modeling) eine Last oder eine Chance für den Berufsstand? Diese Frage war Thema einer Infoveranstaltung der AKS am 18. Juni. Drei – bereits seit Jahren mit BIM vertraute – Referenten waren im Haus der Architekten zu Gast. Das Interesse an dem zunehmend wichtiger werdenden Planungsinstrument war groß.   

Kammerpräsident Professor Heiko Lukas unterstrich, dass „wir BIM mitgestalten und verstehen“ müssen. „Vor- und Nachteile müssen bedacht und Arbeitsprozesse angepasst werden“. Und die Frage: „Wo bleiben dabei die kleinen Büros?“ ist für ihn ebenfalls ein wichtiger Aspekt.   
 
Herbert Klein, als Architekt und Gesellschafter bei HWP Planungsgesellschaft mbH seit 2006 mit BIM vertraut, widmete sich dem Thema „BIM – die neue DNA für komplexe Bauprojekte?“. Die Bearbeitung der Projekte ist bei HWP, einem mittelständischen Unternehmen mit 140 Mitarbeitern und vier Geschäftsbereichen, seit jeher durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit gekennzeichnet. „Zukünftige Bauvorhaben werden mit BIM modelliert“, führte Klein aus. „Alle Daten werden erfasst, verwaltet und vernetzt.“ Sehr wichtig sei es, die Verantwortlichkeiten festzulegen und eine intensive, funktionierende Kommunikation zu pflegen. Für Klein bietet BIM zahlreiche Vorteile. Das BIM-Modell wird in Zeichnungen zerlegt und ändert sich automatisch in allen Ebenen. Und: Die Teamarbeit erfolgt  in Echtzeit. „Alle sehen das gleiche“, und jede Information werde nur einmal erfasst.

Das Gebäudedatenmodell ist bei HWP mit der Kostendatenbank gekoppelt; die Kosten werden damit zu 80 % erfasst. Problematisch sei, wenn der Bauherr das BIM-Modell (ohne weiteres Honorar) erhalte. Denn darin sei die gesamte Entwicklungsarbeit enthalten. Für Klein bietet BIM die Chance, dass Architekten wieder die Gelegenheit bekommen, umfassend steuern zu können. BIM biete mehr Planungs- und Kostensicherheit. Ob auch kleine Projekte BIM-tauglich sind, wird bei HWP noch erprobt.     

Eberhard Beck, Wabe-Plan Architektur, sprach als Vertreter eines kleineren Büros mit zwei Inhabern und sechs Mitarbeitern. „Alles wird zigmal in einem Projekt erfunden“, begann er und ergänzte, ein bisschen sei das immer noch so. Seit 2006 bedient sich Wabe-Plan Architektur der 3D-Planung mit „richtigen Bauteilen“. Dies empfindet er als Meilenstein, und dies „mache viel Spaß“. Die Vorteile liegen für ihn insbesondere darin: Es existiert ein zentrales Gebäude-Datenmodell, aus dem alle Pläne hervorgehen. Jedes Element hat Eigenschaften, 3D-Modelle sind einfach zu generieren. Und ganz wichtig: Alles wird nur einmal erfasst; ein Planaustausch erübrigt sich. Auch für Beck ist eine umfangreiche Kommunikation das A und O bei BIM. Ob sich BIM auch für kleine Büros lohnt? Wenn man es richtig anpackt, kann sich das durchaus lohnen, meint Beck und empfiehlt, im Kleinen zu beginnen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Bei Wabe-Plan Architektur werden alle Neubauprojekte mit BIM bearbeitet.

Alexander Maier, Architekt und Geschäftsinhaber der Firma zeit + raum sowie Partner der Firma Graphisoft, versteht sich als IT-Architekt. „Ich kenne nicht 2D, ich arbeite schon immer modellorientiert“. BIM bietet für Maier die Möglichkeit, Gebäude zu verstehen, bevor sie gebaut werden. Mit BIM wird der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes betrachtet, wobei die Bauphase die kürzeste Phase ist, während die Bewirtschaftung in der Regel 50 – 70 Jahre andauert. BIM bedingt frühere Festlegungen, führt er aus. Man ist den Leistungsphasen somit eher voraus, bereitet die Ausführungsplanung bereits zu einem früheren Zeitpunkt vor. Mit BIM können Probleme früher erkannt werden. „BIM ist kein kreativer Entwurfsprozess, aber eine hilfreiche Unterstützung,“ sagt Maier.  Er empfiehlt kleinen Büros, zunächst strukturierte Daten zu sammeln. Für ihn steht fest: „Ein Geht-nicht gibt‘s nicht – die Frage lautet: Will ich BIM oder will ich‘s nicht?“ Auch die Gaube und der Carport – alle Projekte werden bei ihm mit BIM bearbeitet.

In anderen Staaten wie Skandinavien, Großbritannien, China und Amerika hat BIM bereits einen viel größeren Stellenwert – Deutschland hinkt hier hinterher. Ein Grund mehr für die AKS, die Kammermitglieder intensiv mit dem Thema BIM vertraut zu machen.    

Weitere Infos bietet der „BIM-Leitfaden für Deutschland“ unter www.bbsr.bund.de   

Cornelia Noll

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