Aus gegebenem Anlass wird darauf hingewiesen, dass die DIN 276 gem. § 4 Abs. 1 HOAI in der geltenden Fassung immer dann für die Ermittlung der anrechenbaren Kosten zu Grunde zu legen ist, wenn die HOAI ausdrücklich darauf Bezug nimmt. Anzuwenden ist in diesen Fällen die DIN 276 in der Fassung Dezember 2008. 

In der Anlage 11 zur HOAI ist das Leistungsbild Gebäude, raumbildene Ausbauten sowie Freianlagen detailliert beschrieben. Dort finden sich dann z. B. auch die Hinweise auf die verschiedenen Kostenermittlungsarten nach DIN 276. 

Beispiel: 

  • Leistungsphase 2 zu §§ 33, 38 HOAI (Vorplanung) — Kostenschätzung nach DIN 276 
  • Leistungsphase 3 zu §§ 33, 38 HOAI (Entwurfsplanung — Kostenberechnung nach DIN 276 
  • Leistungsphase 7 zu §§ 33, 38 HOAI (Mitwirkung bei der Vergabe) — Kostenanschlag nach DIN 276 
  • Leistungsphase 7 zu §§ 33, 38 HOAI (Objektüberwachung) — Kostenfeststellung nach DIN 276. 

 

Diese Leistungen sind regelmäßig Grundleistungen und mit dem HOAI-Honorar abgegolten. 

Wie der AKS bekannt geworden ist, werden verschiedentlich von öffentlichen Bauherren im Rahmen der Leistungsphase „Mitwirkung bei der Vergabe" Leistungsverzeichnisse schon vor der Auswertung der eingegangenen Angebote gefordert. Die Architekten sollen mit ortsüblichen Preisen versehene ("bepreiste") Leistungsverzeichnisse erstellen, die dann zum Abgleich der späteren Angebote dienen. 

Diese Leistung wird nicht gesondert honoriert. Sie soll vielmehr in dem Honorar für die Grundleistung "Mitwirkung bei der Vergabe" enthalten sein. 

Nach Ansicht der AKS ist diese Handhabung nicht richtig. 

War schon in der HOAI alter Fassung nach herrschender Meinung in der Literatur der Kostenanschlag grundsätzlich auf der Basis der eingegangenen Angebote zu erstellen und nur in besonderen Fällen für einen kleinen Teil der Gewerke der Kostenanschlag mit "ortsüblichen Preisen" zu ergänzen, so ist nach der geltenden HOAI die Vorgabe eindeutig. 

In Anhang 11 der aktuellen HOAI ist unter Leistungsphase 7 ausgeführt, dass der "Kostenanschlag nach DIN 276 aus Einheits- oder Pauschalpreisen der Angebote" Grundleistung ist, d.h. mit dem HOAI-Honorar abgegolten ist. 

Für Verträge, die noch nach der bisherigen HOAI abzurechnen sind und für Verträge nach aktueller HOAI gilt daher: Fordert der Auftraggeber sogenannte "bepreiste Leistungsverzeichnisse", in die der Architekt die aus seiner Erfahrung heraus zu erwartenden Preise einsetzt, ist dies nach Meinung der AKS eine "Besondere Leistung" i. S. von § 3 Abs. 3 HOAI (§ 5 Abs. 4 HOAI alter Fassung). Das bedeutet, dass für diese Leistungen ein gesondertes Honorar gefordert werden kann. Voraussetzung ist allerdings eine schriftliche Vereinbarung — eine mündliche Absprache oder ein (einseitiges) Bestätigungsschreiben durch den Architekten genügt nicht.