Urteil der Oberlandesgerichtes Köln vom 12.01.2007, Az. 19 U 128/06.
Eine Bauherrengemeinschaft beauftragte eine Architektengesellschaft mit den Leistungsphasen 1 - 9 von § 15 HOAI zur Errichtung eines Bürogebäudes mit Servicehalle. Eine Kostenaufstellung der Architekten wies die Gesamtbaukosten mit netto rd. 1,7 Mio. DM (inkl. Nebenkosten) aus. In dem dazugehörigen Anschreiben hieß es: „Da uns noch nicht alle Angebote vorliegen, haben wir auf Basis vergleichbarer Projekte die Kosten übernommen. Die Kosten sind auf 5% genau ermittelt. Weiter wurde mitgeteilt: „Da die Kostenaufstellung mit einer Sicherheit von 5 - 8% erstellt worden ist, können 3% abgezogen werden." Entsprechend wurden die Gesamtkosten mit rd. 1,655 Mio. DM angegeben.
Im Laufe des Prozesses wurden durch einen Sachverständigen die tatsächlichen Baukosten in Höhe von rd. 2,435 Mio. DM festgestellt (abzgl. von den Bauherren verursachte Mehrkosten in Höhe von rd. 305.000,-- DM).
Das Landgericht hatte die Architekten wegen Kostenüberschreitung zu nicht unerheblichem Schadenersatz - rd. 101.000,-- € - verurteilt. Die Berufung zum Oberlandesgericht Köln blieb erfolglos. Unter Berücksichtigung der oben genannten Begleitschreiben zu den Kostenaufstellungen sei von einer „verbindlichen" Kostenangabe als Vertragsgrundlage auszugehen. Die Einhaltung der genannten Kosten sei als vertraglich geschuldete Beschaffenheit des Architektenwerkes anzusehen - § 633 II BGB -.
Jeder Architekt mag es sich daher sehr genau überlegen, ob er in der Lage ist, solch verbindliche Kostenangaben im Zuge seiner Kostenermittlungen zu machen.
Schäden aus fehlerhaften Massen- oder Kostenermittlungen sind im übrigen durch die Haftpflichtversicherung der Architekten nicht gedeckt.