Fotos: Anne-Christin Backes, Michelle Mehler
Fotos: Anne-Christin Backes, Michelle Mehler

Public-private-Partnership, kurz PPP oder auch Öffentlich-private Partnerschaft, ÖPP genannt, wird in der Öffentlichkeit, aber auch bei Fachleuten schon seit Langem kontrovers gesehen. Bestärkt natürlich durch die Probleme um das „HTW-Hochhaus“ in den letzten Jahren.

„Planung und Ausführung müssen getrennt und dem PPP-Vergabeverfahren ein Planungswettbewerb vorgeschaltet werden“, forderte Alexander Schwehm, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes, am 30.01. bei einer Podiumsdiskussion zu PPP im Haus der Architekten. Denn: „Der Architekt ist für die Bewerbungsphase mit seinem Konsortium verheiratet“ und „er ist und bleibt ein Rädchen im Getriebe“, führte Schwehm weiter aus. Im Podium fiel gar der Begriff der „baukulturfreien Zone“ bei PPP. Dem stimmte der Kammerpräsident zu. Für ihn sei ohne Wettbewerb nicht das beste architektonische Ergebnis zu erreichen.

Die Podiumsdiskussion schloss sich an einen Fachvortrag der Architektin Simone Mattedi (kplan AG, Siegen) an, der ins Thema einführte. Trotz unterschiedlicher Funktionen und Parteienzugehörigkeiten der Podiumsteilnehmer herrschte an diesem Abend seltene Einigkeit. Schnell wurde aus PPP „Pleiten, Pech und Pannen“.

Es wurde auf die ganz großen Bauvorhaben aus jüngster Zeit wie die Elbphilharmonie, Stuttgart 21 oder den Hauptstadtflughafen BER verwiesen. Darf man den Podiumsteilnehmern glauben, ist PPP im Saarland kein Thema mehr. Gründe hierfür seien unter anderem die Bevorzugung von Großkonsortien in PPP-Verfahren.
Dies sei nicht mittelstandsfreundlich und widerspreche dem saarländischen Mittelstandsfördergesetz. Das wertete der Kammerpräsident positiv. Durch die Abkehr von PPP haben regionale Planer, Handwerker und die mittelständische Bauwirtschaft wieder bessere Chancen. „Die Förderung der regionalen Baukultur geht nur ohne PPP“, betonte Schwehm.
Auch das Finanzierungsmodell, das PPP beinhaltet, wurde diskutiert. „Bei PPP entstehen zusätzliche Kosten“, berichtete Patrick Hoffmann vom Landesrechnungshof. Diese Kosten seien zum Beispiel der kalkulierte Gewinn des PPP-Partners und verschiedene Beratungsleistungen. Zudem finanziere ein privates Konsortium immer zu schlechteren Konditionen als die öffentliche Hand. Hohes Verbesserungspotenzial wurde in der sogenannten Leistungsphase 0 gesehen. In dieser Phase ermittelt der Auftraggeber seinen Bedarf und stellt Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen auf.

Die Einigkeit des Podiums „kontra PPP“ blieb bis nach der Diskussion erhalten und setzte sich im anschließenden geselligen Dialog mit den Kammermitgliedern und Gästen fort. 

Melden Sie sich hier für unser Newsmagazin an