Abb: LHS Saarbrücken

Große Teile der Saarbrücker Innenstadt wurden durch Bombenangriffe zerstört und in der Nachkriegszeit wieder aufgebaut. Diese Stadtquartiere der 50er Jahre prägen das Erscheinungsbild der Kernstadt maßgeblich. Die im Wiederaufbau entstandenen Gebäude bilden in Saarbrücken rund 40 % des heutigen Baubestandes. 60 Jahre nach der Erbauung werden Reparaturen und Sanierungen notwendig, und häufig erfüllen die Gebäude nicht mehr die gestiegenen Anforderungen an Wärme- und Schallschutz.

Zahlreiche Bestandsbauten sind gefährdet. Denn häufig wird bei Instandsetzungen die architektonische Qualität beeinträchtigt. Es wird zu viel ersetzt, zu wenig repariert und die Chance für den Erhalt ursprünglicher Konstruktionen verpasst. Viele Eigentümer beginnen aufgrund gesetzlicher Vorgaben und aktueller Förderprogramme mit Fassaden- und Dachsanierungen, Modernisierungs- und Instandsetzungsarbeiten. Im Rahmen des ExWoSt-Modellvorhabens hat die LHS Saarbrücken Wege erarbeitet, wie Gebäude der 50er Jahre – nicht nur in der Eisenbahnstraße – modernisiert und ener-getisch ertüchtigt werden können, ohne das urspüngliche Erscheinungsbild zu beeinträchtigen. Anhand von Fassadenanalysen wurden die gestaltwirksamen Elemente – Kolonnaden, Lisenen, Balkone, Flugdächer, etc. – herausgefiltert und ein spezieller Farbfächer entwickelt, der die „Fassadenfarben“ und „Akzentfarben“ des Farbkanons der 50er Jahre in Saarbrücken zeigt.

Gestaltungs- und Sanierungsleitfaden „Die Modernen 50er“ 
Der Gestaltungs- und Sanierungsleitfaden soll den Blick für die Gestaltungselemente der 50er Jahre schärfen und zur Sensibilisierung aller an der Sanierung Beteiligten beitragen. Er benennt bauphysikalische und baukonstruktive Probleme der „sonstigen besonders erhaltenswerten Bausubstanz“, die bei 50er-Jahre-Fassaden auftreten können. Er beschreibt Lösungsansätze in Modulen und entwickelt Perspektiven, wie die Bauten möglichst in ihrer originalen Substanz und im ursprünglichen Erscheinungsbild erhalten werden können. Darüber hinaus zeigt er auf, wie eine modulare Sanierung in das erweiterte Bundesförderprogramm der KfW für Gebäude mit „sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz" aufgenommen werden kann und gibt somit Anreize für nachhaltiges Bauen und den Erhalt des baukulturellen Erbes.

„Sonstige besonders erhaltenswerte Bausubstanz“ 
Die architektonische Qualität zu bewahren, prägende Elemente zu erhalten bzw. wieder herauszuarbeiten, ist mit dem Instrument der „sonstigen besonders erhaltenswerten Bausubstanz“ möglich. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) lässt gemäß § 24 Abweichungen von den Regelungen zu, wenn die Anforderungen „die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigen“. Welche Gebäude eine „sonstige besonders erhaltenswerte Bausubstanz" haben, legt die Kommune fest. Mit der entsprechenden Bestätigung kann ein Eigentümer bei Wohnnutzung des Gebäudes die „KfW-Effizienzhaus-Denkmal- Förderung“ erhalten, die es ermöglicht, sowohl Komplettsanierungen, als auch Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der äußeren Gebäudehülle durchzuführen. Um eine Förderung zu erhalten, muss nicht die maximale energetische Optimierung für jedes Einzelelement nachgewiesen werden. Entscheidend ist der Nachweis einer ausgeglichenen energetischen Gesamtbilanz bei Erhalt der schützenswerten Substanz.

Der Weg zur Förderung und Finanzierung
Die LHS Saarbrücken empfiehlt folgende Vorgehensweise
1. Beratungsgespräch im Stadtplanungsamt
2. Energetische Einstiegsberatung durch die Verbraucherzentrale oder andere Fachstellen und Sachverständige
3. Informationen durch die Hausbank und Saarländische Investitionskreditbank (SIKB)
4. Bestandsaufnahme, Analyse und Sanierungskonzept durch einen zertifizierten „Energieberater für Baudenkmale“
5. Entscheidung, ob und wie energetisch saniert werden soll
6. Planung und Überwachung der Baudurchführung durch den Sachverständigen „Energieberater für Baudenkmale“
7. Bestätigung des Sachverständigen und der Kommune nach Durchführung der Maßnahmen

Weiterführende Informationen unter www.aksaarland.de/aktuelles/baukultur-die-modernen-50er-gestaltungs-und-...

LHS Saarbrücken/NO

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