Foto: AKS/ Motsch

Anlässlich der Ausstellungseröffnung „BDIA-Handbuch Innenarchitektur 2015/16“ waren Andrea Weitz und Professor Jens Wendland (raumkontor, Düsseldorf) im Haus der Architekten zu Gast. Raumkontor ist ein transdisziplinäres Team von Innenarchitekten, Architekten, Szenografen und Mediengestaltern. 

An sieben Projekten und sieben Dingen, die sie lieben, stellten Weitz und Wendland beispielhaft vor, wie individuell und auf die jeweilige Bauaufgabe zugeschnitten ihre Planungen erfolgen. Zu sehen war die Apotheke am Wilhelmsplatz in Berlin, deren Innenarchitektur vom Thema Kräuter inspiriert wurde. Das Haus für einen Kunstsammler in Duisburg verkörpert das Motto „Substanz“. Kennzeichnend hierfür war der Gedanke des Massiven und „eine Gestaltung aus dem Material heraus“, unter Berücksichtigung der Proportionen und des Verhältnisses zueinander. Die legendäre Pina Bausch – exzessiv, das Publikum mitnehmend – war Inspiration für die Manus-Klinik in Krefeld, eine Tagesklinik für Gefäß- und Unfallchirurgie. Hier versuchte raumkontor, die – verloren gegangene – Großzügigkeit wiederherzustellen. Große Farbflächen, die „drüber gelegt und herumgezogen“ wurden, lassen auch 45-Grad-Ecken nahezu verschwinden. Für die 800  m2 große Klinik wurde ein Farbleitsystem entwickelt. „Es gibt keinen gleichen Raum“, betonten Weitz und Wendland. 

Wendlands Lieblingsgericht „Kartoffelpüree“ steht für das Haus einer Gastrokritikerin in München – mit einer Küche als Kern des Hauses. Der Entwurf ist gekennzeichnet durch seine Offenheit, die Integration der Geräte und Steckdosen – ohne Fugen und überstehende Kanten – und den „zurückhaltenden Innenausbau“. „Wish you were here“ – ein Motto, das an Pink Floyd erinnert – symbolisierte den Entwurf des Messestandes für das Deutsche Tapeteninstitut im Jahr 2014. Mit sehr begrenzten finanziellen Mitteln wurde ein „Tapetenhaus“ entwickelt – als „klassisches Haus in zeitgemäßer Form“ mit Durchblicken und Einblicken. Entstanden sind vier unterschiedliche Räume, die vier unterschiedliche Charaktere kennzeichnen: den Prestige-Bewussten, den Unbekümmerten, den Kreativen, den Pragmatiker. Wände und Decken wurden jeweils mit derselben Tapete sowie dazu passenden Installationen bekleidet und ausgestattet. Dieses außergewöhnliche Projekt war in aller Munde und konnte 77 Mio. Klicks verzeichnen. „Nicht zu arbeiten“ war der Gedanke  bei der Raumgestaltung des Bürogebäudes der adesso AG in Dortmund. „Wir sind 10 – 14 Stunden im Büro, wir arbeiten nicht“, unterstrichen Weitz und Wendland. „Wir machen Dinge, die uns entsprechen.“ Viele Aspekte wurden bei dem Bürogebäude der adesso AG berücksichtigt, um diesem Motto gerecht zu werden. Fließende Übergänge zwischen Arbeiten und Entspannen, Rückzug und Kommunikation und eine individuelle Planung mit 3.500 Einzelprodukten fanden Berücksichtigung. „Waldspaziergänge“ inspirieren raumkontor zur „Wahrnehmung mit allen Sinnen“. Sinnbild hierfür war der weitere Entwurf eines Messestandes für das Deutsche Tapeteninstitut im Jahr 2015. „Der Klang der Tapete“ wurde mit schwebenden Tonnen verwirklicht, die innen unterschiedlich tapeziert waren. Dazu passende Musikstücke erzählten „kleine Geschichten“. 

„Gibt es die raumkontor-Formel?“, fragten Weitz und Wendland und betonten: „In unserem Sinne ist Raum ein Ereignis, deutlich auf allen Ebenen“. Begriffe wie „Sinnlichkeit, Echtheit, Intensität, Selbstverständlichkeit, Dichte, Lässigkeit und Experiment“ sind die Kennzeichen.

Fazit: Ein überaus abwechslungsreicher und außergewöhnlicher Vortrag – man hätte den Beiden gerne noch länger zugehört! 

Cornelia Noll