Bei der Vergabe von Planungsleistungen müssen öffentliche Auftraggeber zwingend die Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen - VOF - beachten, sofern der Auftragswert den sog. Schwellenwert überschreitet (seit 01.01.2014 = 207.000 Euro netto).

Im Grundsatz sind nach der VOF zwei Verfahrensarten möglich:

  • VOF-Verfahren ohne Planungen, d. h. Auswahl der Bewerber anhand der Bewerbungsunterlagen und sich daran anschließende Vertragsverhandlungen mit den ausgewählten Bewerbern
  • VOF-Verfahren mit Planungen, d. h. Auslobung und Durchführung eines Wettbewerbs nach GRW Saar und sich daran anschließende Verhandlungsverfahren mit den Preisträgern.

Die AKS setzt sich seit jeher dafür ein, dass, wann immer möglich, Architektenwettbewerbe durchgeführt werden. Die Bewerber für das sich anschließende Vertragsverhandlungsverfahren können so anhand der besten Lösungsvorschläge für die Bauaufgabe ermittelt werden.

Leider sind Wettbewerbsverfahren bei vielen öffentlichen Auftraggebern offenbar nicht immer beliebt. Als Begründung wird häufig genannt, dass Wettbewerbsverfahren den engen zeitlichen Planungsrahmen sprengen, zu teuer seien und/oder nicht sichergestellt sei, dass einer der Preisträger zur Realisierung der Wettbewerbsaufgabe in der Lage sei. Vor diesem Hintergrund wird dann leider viel zu oft der Weg beschritten, in Vergabeankündigungen hohe Bewerbungshürden in Form von überzogenen Anforderungen an die Referenzen, hohen technischen und wirtschaftlichen Anforderungen an das Bewerberbüro u. v. a. m. zu formulieren.

Dadurch wird der Zugang zu öffentlichen Aufträgen für viele Architekten meist erschwert oder gar unmöglich gemacht. Die Struktur der Architekturbüros - 90 % der Büros haben weniger als 5 Mitarbeiter - wird dabei ebensowenig berücksichtigt wie die Tatsache, dass die Planung oder gar Realisierung spezieller Bauaufgaben (Laborgebäude/Parkhäuser/Haftanstalten etc.) meist nicht nachgewiesen werden können, weil viel zu selten nachgefragt.

Der Schaden für die Wettbewerbsfähigkeit kleinerer und mittelständischer Architekturbüros ist durch diese restriktive Handhabung der VOF enorm; gerade auch Berufsanfänger haben dadurch zunehmend weniger Chancen, Planungsaufträge im Bereich der öffentlichen Bauaufgaben zu erhalten.

Dass die Auslobung von Wettbewerben einen Mehrwert bringt, davon ist die Bauabteilung des Bistums Trier überzeugt. Seit vielen Jahren werden für die unterschiedlichsten Bauaufgaben - auch unter dem VOF-Schwellenwert - Wettbewerbe ausgelobt.

Die Kirchengemeinden werden i. d. R. dahingehend beraten, auch für kleinere Baumaßnahmen Architektenwettbewerbe unter Beachtung der GRW-Saar durchzuführen. Aus unserer Sicht, aber auch aus Sicht der Nutzer, eine sehr erfolgreiche Vorgehensweise, wie die mittlerweile realisierten Bauvorhaben wie z. B. „Kindergarten in Saarbrücken, St. Eligius", „Pfarrheim in Dillingen-Pachten, St. Maximin" oder „Kindergarten/-tagesstätte in Perl, St. Margarita" eindrucksvoll belegen.

Die AKS verfolgt das Ziel, dass viele öffentliche Bauherren - allen voran das Land und die Kommunen - sich am Beispiel des Generalvikariats orientieren und auch für kleinere Baumaßnahmen oder vermeintliche "Spezialaufgaben" Wettbewerbe nach GRW-Saar durchführen. Vorstand und Wettbewerbsausschuss sind diesbezüglich in ständigem Kontakt zu vielen potenziellen Auslobern und darum bemüht, das von der VOF vorgeschriebene Vergabeverfahren transparent und mit entsprechender Chancengleichheit für alle Interessenten auszugestalten.

Die wesentlichsten Forderungen der Architektenkammer des Saarlandes (AKS) sind:

  • Nachweise - so wenig wie möglich und so viel wie nötig
  • Qualität als Maßstab
  • Große Bandbreite an Referenzen - keine überzogenen Forderungen
  • Mehrwert Architektenwettbewerb wann immer möglich nutzen.

Rainer Christ, Geschäftsführer der AKS