Wie kann die regionale Baukultur im Saarland gestärkt und zukunftsfähig weiterentwickelt werden? Diesem Thema widmet sich seit Jahren die Stiftung Baukultur Saar. Mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten möchte die Stiftung für das Thema sensibilisieren. Denn: Regionale Baukultur ist ein Standortfaktor im besten Sinne, meint Willi Latz, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Baukultur Saar; Baukultur bewirkt, dass sich die Menschen mit ihrem Ort identifizieren.

Dabei ist mit regionaler Baukultur nicht das Bestreben gemeint, in der Vergangenheit zu verharren, diese wiederherzustellen oder Neues alt wirken zu lassen. Vielmehr gibt die Vergangenheit Leitlinien oder Hinweise für das verantwortungsvolle Bauen in der Gegenwart und Zukunft. Hierfür gibt es international beachtete Vorbilder in Vorarlberg, Tirol oder Graubünden.

Die diesjährigen Veranstaltungen der Stiftung stehen unter dem Motto „Weiterbauen“. Der Vortrag „Gebaute Lebensräume der Zukunft“ von Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, am 7. Mai  bildete den Einstieg (siehe DAB Juni, Regionalteil Saarland).

Die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe folgt an vier Terminen im September und Oktober. Am 1. September plädiert Prof. Dr. Vittorio Magnago Lampugnani für „Quartiere, keine Siedlungen“ und stellt Strategien für moderne Stadterweiterungen vor. Lampugnani war einer der Protagonisten im Ringen um die Leitbilder der Neubebauung der Berliner Innenstadt. Als Jury-Vorsitzender des Wettbewerbs für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses (Humboldt-Forum) und mit dem „Lampugnani-Haus“ (Kontorhaus Mitte, Friedrichstraße 185) prägte er das „Neue Berlin“ mit. Lampugnani spricht sich „gegen eine Spektakel-Kultur und Inszenierungs-Ästhetik“ aus, „die zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt ist und materielle Ressourcen verschwendet, statt geistige zu schaffen“. Der Vortrag versteht sich als Plädoyer für ein Zurück in die Stadt, als ein Bekenntnis zu urbaner Qualität und Dichte und auch als Frage des Weiterbauens an der europäischen Stadt.

Lampugnani, von 1990 – 95 Direktor des Deutschen Architektur-Museums in Frankfurt am Main, lehrt seit 1994 als ordentlicher Professor für Geschichte des Städtebaus an der ETH Zürich. Er hat wichtige wissenschaftliche Buchpublikationen verfasst und ist verschiedentlich Jury-Mitglied bei Architekturwettbewerben und -preisen.

Am 19. September lädt die Stiftung Baukultur Saar zum Halbtages-Seminar „Heimat im Wandel: Schrumpfen gestalten, Orte lebenswert halten“ in die HTW des Saarlandes ein. Angesprochen sind – neben den AKS-Kammermitgliedern – insbesondere Ratsmitglieder, die den demografischen Wandel in ihren Orten nicht passiv   erdulden wollen, sondern aktiv annehmen und sich der Frage stellen, wie Ortskerne und Innenstädte attraktiv gehalten werden können. Themen sind unter anderem der saarländische Wohnungsmarkt, die Schrumpfung als Gemeinschaftsaufgabe, die Zukunft des
Dorfes und die Ortsmitte als Lebensraum.

Zum „Ortsgepräch“ mit Peter Michael Lupp, Regionalentwickler beim Regionalverband Saarbrücken, sind alle Interessierten am 23. September ins Jagdschloss Karlsbrunn eingeladen. Seine Intention lautet: „Regionale Baukultur heißt landschaftsgebundenes Bauen.“ Thematisiert wird „das ureigene Wesen der regionalen Baukultur“. Ziel des „Ortsgesprächs“ ist es, „nachvollziehbare Kriterien für regionales, landschaftsgebundenes Bauen in ländlichen Räumen“ zu sammeln, „um einer beliebigen, identitätsfeindlichen Weiterentwicklung zu trotzen“. Das Ortsgesrpäch richtet sich an alle planenden und gestaltenden Disziplinen.

Den Abschluss der diesjährigen Veranstaltungsreihe bildet der Vortrag „Weiterbauen am zivilisatorischen Modell“ von Prof. Dr. Harald Welzer am 7. Oktober. Welzer ist Professsor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg und Mitbegründer der gemeinnützigen Stiftung FUTURZWEI. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, alternative Lebensstile und Wirtschaftsformen aufzuzeigen und zu fördern. Harald Welzer schreibt  „gegen die Zukunfts- und Fantasielosgkeit der sogenannten Realpolitik“.

Seien Sie Mitstreiter bei der Stärkung und Weiterentwicklung der regionalen Baukultur im Saarland und besuchen Sie die Veranstaltungen der Stiftung Baukultur Saar!

Cornelia Noll
 

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