Foto: Lea Harmel

Nach dem Auszug des Kultusministeriums steht die ehemalige Französische Botschaft, rundum gesichert, leer. Die Zukunft ist ungewiss. Bevor eventuell eine kostenträchtige Sanierung als Verwaltungsgebäude beschlossen wird, wollten wir – die Stiftung Baukultur Saar, die Schule für Architektur der HTW, der BDA, die lothringische Architektenvereinigung und der federführende Werkbund – in einem deutsch-französischen Workshop unter dem Motto „Es lohnt sich“ über mögliche andere Nutzungen nachdenken.

Heute ist es ein „Monument deutsch-französischer Baukultur im Saarland“, so der Untertitel der eben erschienenen neuen Publikation zum Haus. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: In Zukunft könnte daraus ein europäisches Flaggschiff werden, das unter der Fahne „Pingussons“ im Saarland vor Anker liegt.

Auch der enorme organisatorische Aufwand, ihn im Gebäude selbst zu veranstalten, hat sich gelohnt. Für die vielfältige, hilfreiche  Unterstützung durch Kultus- und Finanzministerium sind wir dankbar. Der Gang durch den Garten in die lichtdurchflutete Repräsentationsetage beflügelte auch die Gedanken der etwa 60 buntgemischten Teilnehmer: Architekten, Stadtplaner, Denkmalpfleger, Journalisten, Künstler, Wissenschaftler. Der unserer Veranstaltung beigemessene Stellenwert zeigte sich auch in der aktiven Teilnahme hochrangiger Mitarbeiter beider Ministerien und ausführlicher Informationsbesuche der Minister selbst.

Unter den ehrenamtlich tätigen Fachleuten war auch eine größere Gruppe von Franzosen, u.a. die Präsidentin von DOCOMOMO International Frankreich und ein „Architecte en chef des Monuments Historiques“, zuständig für Bauten des 20. Jahrhunderts. Die französischen  Gäste waren hocherfreut, einen weitgehend noch originalen „Pingusson“ vorzufinden und behandelten das Gebäude wie einen Schatz. Für sie wäre jeder Eingriff in das Haus, der mit Veränderungen der Einbauten und der Fassade einhergeht, ein Frevel.

Der Workshop begann mit dem einführenden Referat zu den bautechnischen Problemen durch Oliver Brünjes, dessen Büro mit der Ausarbeitung einer HU-Bau beauftragt ist. Der anschließende Rundgang machte mit den verschiedenen Funktionsbereichen des Komplexes vertraut, bevor die Arbeitsphase begann. Als Moderator führte Henning Freese, Vorsitzender des Landesdenkmalrates, sachkundig durch die zwei Tage. Getrennt in die Gruppen „Symbolkraft“, „Europagedanke“, „Städtebauliches Umfeld“ und „Zukunftsfähige Nutzung“ sammelte man zunächst Ideen, um sie dann nach gemeinsamen Gesichtspunkten zu durchsuchen, zu ordnen, zu vertiefen oder zu verwerfen.

Als gegen Mittag Minister Ulrich Commerçon eintraf, konnten ihm bereits erste Erkenntnisse vorgetragen werden. Zuvor  überreichten wir ihm jedoch als Erstem die druckfrische, durchgehend zweisprachige Publikation. Das abschließende Plenum wurde zu einer intensiven, gedankenreichen Diskussion unter den Teilnehmern, die simultan übersetzt, auch ohne Sprachschwierigkeit ablief. Der zweite Workshop-Tag stand unter der Vorgabe, die Vorschläge zunächst noch einmal auf ihre Tragfähigkeit zu überprüfen, um sie dann in aussagekräftige  Bilder umzusetzen. Dabei entwickelte die Gruppe „Städtebauliches Umfeld“ Vorschläge für eine möglichst intensive Verzahnung mit HTW, HBK und Schloss sowie der Wohnbebauung von Alt-Saarbrücken durch „Campusallee“ und „Keplerplatz“.  Sie schlugen den Brückenschlag zur Kongresshalle, die Öffnung des Ehrenhofes zur Saar  und ein Parkhaus über der Autobahn als Lärmschutz vor.

Eine gemeinsame Erkenntnis aller Gruppen war, und die Nutzungsvorschläge zeigten es: Das Gebäude wurde von Pingusson zwar als Botschaft geplant, ist aber funktional so durchdacht und reichhaltig, dass hier grundsätzlich fast jede Nutzung denkbar ist. Nutzen könnten es, einzeln oder gemeinsam, Einrichtungen und Institutionen aus  Verwaltung, Forschung, Bildung und Kultur, auch Tourismus. Über allem aber steht  die Forderung nach nicht nur einem deutsch-französischen, sondern einem europäischen Kontext. Institutionen unter dem Banner des Europagedankens schien auch das interessierte und diskussionsfreudige Publikum der Abschlussveranstaltung zu beeindrucken. Aus seinen Reihen kamen schon konkretere Hinweise. Der aufmerksam zuhörende Finanzminister Stephan Toscani  hatte sich zuvor bereits ausführlich informiert und sagte  eine ergebnisoffene Nutzungsdiskussion zu.

Marlen Dittmann

Pünktlich zum Workshop erschienen:
„Die ehemalige Französische Botschaft in Saarbrücken von Georges-Henri Pingusson. Ein Monument deutsch-französischer Baukultur im Saarland“, Hrsg.: Deutscher Werkbund Saarland und Institut für aktuelle Kunst, Saarlouis. Zweisprachig, mit Beiträgen verschiedener Autoren und zahlreichen, teilweise ganzseitigen, historischen Aufnahmen. 128 Seiten, ISBN 3-938070-90-0, Subskriptionspreis bis 31.12.14 20 €, danach 25 €.