Im Gespräch: Till Göggelmann, Joachim Raab, Klemens Ahlbäumer, Jürgen Lenhof und Moderator David Kasparek (v. l.). Foto: Veronika Zeyer
Im Gespräch: Till Göggelmann, Joachim Raab, Klemens Ahlbäumer, Jürgen Lenhof und Moderator David Kasparek (v. l.). Foto: Veronika Zeyer

Vernissage „BDA Architekturpreis max40 - Junge Architekten 2016“ am 16.11. bei der AKS

Dass sich für einen Architekturpreis, der junge Architekten fördern will, mit Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gleich fünf Landesverbände zusammenschließen müssen, um genügend  Teilnehmer zu bekommen, könnte schon allein Grund zur Diskussion sein. Dass aber für den aktuellen BDA-Preis „max40“ lediglich 42 Projekte eingereicht wurden, wirft weitere Fragen auf. Etwa die, warum aus dem Saarland nur eine Arbeit eingereicht wurde.

Letzte Station der 2016 im DAM gezeigten Ausstellung „BDA Architekturpreis max40 – Junge Architekten 2016“ war das Saarbrücker Haus der Architekten. Zur Eröffnung lud der BDA Saarland zu einem Impulsvortrag von Joachim Raab (o5 architekten, Frankfurt) und einer Diskussionsrunde ein, die die Chancen junger Architekten im Saarland zum Thema hatte. Raab stellte sich als prädestinierter Impulsgeber vor, konnten er und seine Büropartner Jan-Henrik Rafke und Ruben Lang doch sowohl 2016 wie auch 2014 einen max40-Preis für sich verbuchen (für das Quartierszentrum Ringheim in Großostheim und das Haus der Gemeinschaft in Plaidt). 

Insbesondere das Thema Wettbewerbe und die Zugangschancen junger Büros zu Wettbewerbsverfahren kamen zur Sprache. Neben Joachim Raab diskutierten Klemens Ahlbäumer, Jürgen Lenhof und Till Göggelmann. Göggelmann, ein Kind der Stadt Saarbrücken und Sohn eines Architekten, sah für sich im Saarland zunächst keine Chance als Architekt. Wie viele andere auch, ist der 1980 Geborene in die Schweiz gegangen, um sich dort bei Buol&Zünd als Leiter der Wettbewerbsabteilung zu verdingen. „Sehr lehrreich“ sei das für den Moment, dennoch könne er sich eine „Rückkehr ins Saarland vorstellen“. Wann, das hänge maßgeblich davon ab, ob in der Region die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Wettbewerb bestehe. 

Jürgen Lenhof, Abteilung für Wirtschaftsförderung und Mittelstandspolitik im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr, stellte nach einer harten Zeit ohne Wettbewerbe eine bessere Zukunft in Aussicht. Das 2016 in Kraft getretene Mittelstandsförderungsgesetz solle (u. a.) Existenzgründungen fördern. Allein: Noch fruchte dieses nicht, so Lenhof. „Das ist auch eine Mentalitätsfrage in einer Region, in der die Menschen seit jeher in der Kohle und im Stahl gearbeitet haben.“ Für diese These erntete er harsche Kritik aus dem Publikum. Auf die Passivität angesprochen, und darauf, warum Stadt und Land nicht kleinere Projekte wie Umspannwerke, Trafohäuschen und dergleichen mehr gezielt für junge Büros zum Wettbewerb ausschreiben, wusste Lenhof -  als Vertreter von Staatssekretär Jürgen Barke - keine Antwort, versprach aber, die Anregungen mitzunehmen. 

Klemens Ahlbäumer, Vermögensverwalter im Immobilienbereich des Versorgungswerks der saarländischen Ärztekammer, konnte nur Gutes über die Sanierung des Hauses der Ärztekammer berichten. Den Wettbewerb hatte 2012 das junge Büro Fthenakis Ropee Architekten aus München gewonnen, das sich, so Ahlbäumer, „komplett mit dem Projekt identifiziert habe“. „Bei etablierten Büros hat man oft das Gefühl, als Bauherr nur zu stören. Hier aber wurden alle Wünsche gehört.“ Das Team um Susann Weiland, Rolf Berninger und Alexander Fthenakis habe fehlende Erfahrung mit Engagement mehr als wettgemacht. Mit dem Ergebnis sei man hoch zufrieden. 

Den Grund für die aktuelle Wettbewerbsmisere sah das Plenum vor allem in den schlechten Erfahrungen beim Verfahren zum Neubau des Vierten Pavillons der Modernen Galerie. „Das hat viel verbrannte Erde hinterlassen“, war zu hören und: „Selbst die kleinste Gemeinde in der Region“ habe in Folge dieses Verfahrens Angst vor vergleichbaren Querelen gehabt. So blieb es abschließend an Joachim Raab, den Beruf des Architekten hochzuhalten. Auch wenn die Gefahr bestehe, ob der Zugangsbeschränkungen bei Wettbewerben auf bestimmte Bauaufgaben festgeschrieben zu werden, seien die Möglichkeiten zur Gestaltung von Lebenswelten „doch einfach wunderbar“. Zudem seien die Jungen hoch motiviert „und können es sich gar nicht leisten, ein Gebäude an die Wand zu fahren.“

Erstveröffentlichung: der architekt 6/17, Zeitschrift des Bundes Deutscher Architekten BDA, „Material. Grundlagen der Architektur II“.  


Text: David Kasparek/ Cornelia Noll

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